Keilriemen gerissen – Ursachen, Störungen und Abhilfe
Ein gerissener Keilriemen kann Maschinen, Fahrzeuge, Gartengeräte oder Industrieanlagen sofort stilllegen. Häufig ist der Riemenriss nicht die eigentliche Ursache, sondern die Folge einer Störung im Riementrieb. Typische Auslöser sind falsche Spannung, Verschleiß, Fehlstellung der Riemenscheiben, Überlastung, Fremdkörper oder ein nicht passendes Profil.
Bevor ein neuer Keilriemen montiert wird, sollte deshalb immer der gesamte Antrieb geprüft werden. Wird nur der Riemen ersetzt, ohne die Ursache zu beseitigen, kann auch der neue Keilriemen schnell wieder rutschen, quietschen, heiß werden oder reißen.
Was tun, wenn der Keilriemen gerissen ist?
- Maschine sofort ausschalten: Den Antrieb nicht weiter betreiben.
- Antrieb abkühlen lassen: Riemenscheiben, Motor und umliegende Bauteile können heiß sein.
- Riemenreste entfernen: Lose oder eingeklemmte Riemenstücke vorsichtig entfernen.
- Riemenscheiben prüfen: Auf Schmutz, Rost, Öl, Fett, Beschädigungen und Verschleiß achten.
- Fluchtung kontrollieren: Prüfen, ob die Riemenscheiben gerade zueinander laufen.
- Aggregate prüfen: Pumpe, Lüfter, Messer, Walze, Kompressor oder andere Bauteile auf Leichtgängigkeit prüfen.
- Passenden Ersatzriemen wählen: Profil, Länge und Ausführung müssen zur Anwendung passen.
Keilriemen-Störungen: Ursache und Abhilfe
Die folgende Übersicht hilft bei der Fehlersuche im Riementrieb. Die Angaben dienen als Orientierung. Bei sicherheitsrelevanten Maschinen, komplexen Anlagen oder wiederkehrenden Schäden sollte zusätzlich die Herstellervorgabe oder eine fachkundige Prüfung berücksichtigt werden.
| Störung | Mögliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Keilriemen reißt nach kurzer Laufzeit | Gewaltsame Montage Beschädigung des Zugstrangs Falsches Profil oder falsche Länge Antrieb überlastet Blockiertes oder schwergängiges Aggregat |
Keilriemen ohne Gewalt montieren Riemen niemals mit Schraubendreher aufhebeln Profil und Länge prüfen Antriebsverhältnisse kontrollieren Aggregate auf Leichtgängigkeit prüfen |
| Keilriemen ist gerissen und stark ausgefranst | Riemenscheiben fluchten nicht Riemen läuft schräg Riemenscheibe beschädigt oder eingelaufen Fremdkörper im Riementrieb |
Riemenscheiben ausrichten Scheiben auf Verschleiß und scharfe Kanten prüfen Fremdkörper entfernen Beschädigte Riemenscheiben ersetzen |
| Risse im Riemenunterbau | Zu kleiner Scheibendurchmesser Starke Biegebeanspruchung Alterung oder Materialermüdung Übermäßige Hitze- oder Kälteeinwirkung |
Mindest-Scheibendurchmesser beachten Passende Riemenausführung verwenden Riemen bei sichtbaren Rissen ersetzen Temperatur- und Umgebungsbedingungen prüfen |
| Keilriemen wird heiß oder riecht verbrannt | Riemenschlupf Zu geringe Vorspannung Antrieb überlastet Schwergängiges Aggregat Falsches Profil |
Riemenspannung prüfen und nachspannen Belastung und Antriebsverhältnisse prüfen Aggregate auf Leichtgängigkeit prüfen Profil und Riemenscheibe abgleichen Beschädigten Riemen ersetzen |
| Keilriemen quietscht | Zu geringe Spannung Riemen rutscht auf der Scheibe Falsches Profil Verschmutzte oder glatte Riemenscheiben Feuchtigkeit oder Öl im Riementrieb |
Vorspannung prüfen Riemenscheiben reinigen Profil und Länge kontrollieren Öl- oder Fettquellen beseitigen Bei Verschleiß Riemen ersetzen |
| Keilriemen rutscht | Zu geringe Vorspannung Riemen verschlissen oder gedehnt Antrieb überlastet Riemenscheiben verschmutzt Falsche Riemenausführung |
Riemenspannung prüfen Verschlissenen Riemen ersetzen Antriebsverhältnisse kontrollieren Scheiben reinigen Passende Ausführung wählen |
| Starke Schwingungen im Riementrieb | Antrieb unterdimensioniert Achsabstand ungünstig Stoßbelastung zu hoch Zu geringe Vorspannung Riemenscheiben nicht ausgewuchtet |
Antriebsverhältnisse prüfen Vorspannung korrigieren Scheiben und Lager kontrollieren Bei starker Belastung geeignete Riemenausführung wählen Schwingungsursache beseitigen |
| Keilriemen kann nicht mehr nachgespannt werden | Verstellweg des Achsabstands ausgeschöpft Riemen stark gedehnt Falsche Riemenlänge Verschlissene Riemenscheiben |
Kürzere oder passende Riemenlänge prüfen Riemen ersetzen Verstellmöglichkeit kontrollieren Riemenscheiben auf Verschleiß prüfen |
| Keilriemen verdreht sich | Riemenscheiben fluchten nicht Falsches Riemenprofil Stark verschlissene Scheibenrillen Übermäßige Schwingungen Zu geringe Vorspannung |
Scheiben ausrichten Riemen- und Scheibenprofil prüfen Verschlissene Scheiben ersetzen Vorspannung prüfen Schwingungsursache beseitigen |
| Außergewöhnlicher Flankenverschleiß | Falscher Rillenwinkel Ausgewachsene oder beschädigte Scheibenrillen Falsches Riemenprofil Scheiben fluchten nicht Zu geringe Vorspannung |
Riemen- und Scheibenprofil abgleichen Riemenscheiben prüfen und bei Bedarf ersetzen Scheiben ausrichten Vorspannung prüfen Passenden Keilriemen einsetzen |
| Übermäßige Laufgeräusche | Riemenscheiben fluchten nicht Zu geringe Vorspannung Antrieb überlastet Riemen beschädigt oder verschlissen |
Scheiben ausrichten Vorspannung prüfen und korrigieren Antriebsverhältnisse prüfen Beschädigten Riemen ersetzen |
| Keilriemen ist schwammig, klebrig oder aufgequollen | Einwirkung von Öl, Fett, Kraftstoff, Chemikalien oder ungeeigneten Reinigungsmitteln | Riemen ersetzen Riemenscheiben reinigen Leckagen oder Verschmutzungsquellen beseitigen Riementrieb vor Fremdeinwirkung schützen |
| Ungleichmäßige Riemendehnung bei mehreren Riemen | Alte und neue Riemen gemeinsam eingesetzt Unterschiedliche Fabrikate oder Ausführungen kombiniert Ungleiche Vorspannung Riemensatz nicht komplett erneuert |
Bei Mehrfachantrieben immer den kompletten Riemensatz ersetzen Keine alten und neuen Riemen mischen Riemen gleicher Ausführung verwenden Vorspannung gleichmäßig einstellen |
| Riemen springt aus der Riemenscheibe | Falsches Profil Riemenscheiben fluchten nicht Zu geringe Spannung Starke Schwingungen Beschädigte oder verschlissene Riemenscheibe |
Profil und Riemenscheibe prüfen Scheiben ausrichten Vorspannung korrigieren Schwingungsursache beseitigen Beschädigte Scheibe ersetzen |
Den passenden Ersatzriemen finden
Wenn die Beschriftung auf dem gerissenen Keilriemen noch lesbar ist, können Profil und Länge meist direkt übernommen werden. Häufige Profile sind zum Beispiel Z, A, B, C, SPZ, SPA, SPB, SPC, AVX10, AVX13 sowie zöllige Profile wie 3L, 4L und 5L.
Ist die Beschriftung nicht mehr lesbar, sollten Profilbreite, Profilhöhe und Länge gemessen werden. Bei einem gerissenen oder stark gedehnten Riemen kann die Länge nur näherungsweise bestimmt werden. In diesem Fall helfen zusätzlich die Riemenscheibe, die Maschinenbezeichnung oder eine Ersatzteilliste.
Weitere Hilfe finden Sie in unserer Anleitung zum Keilriemen messen und in der Keilriemen-Profilübersicht.
Keilriemen richtig austauschen
Beim Austausch sollte der neue Keilriemen nicht mit Gewalt montiert werden. Wird der Riemen mit Schraubendrehern oder anderen Werkzeugen über die Riemenscheibe gehebelt, können Zugstrang, Riemenflanken oder Riemenscheiben beschädigt werden.
- Maschine ausschalten und gegen unbeabsichtigtes Einschalten sichern.
- Alten Riemen und alle Riemenreste vollständig entfernen.
- Riemenscheiben reinigen und auf Beschädigungen prüfen.
- Fluchtung der Riemenscheiben kontrollieren.
- Neuen Keilriemen ohne Gewalt auflegen.
- Riemen nach Herstellervorgabe spannen.
- Antrieb kurz laufen lassen und Riemenlauf kontrollieren.
- Nach kurzer Betriebszeit Spannung erneut prüfen, falls vom Hersteller vorgesehen.
Mehrere Keilriemen parallel: immer gemeinsam ersetzen
Laufen mehrere Keilriemen parallel in einem Antrieb, sollten immer alle Riemen gleichzeitig ersetzt werden. Neue und alte Riemen haben oft unterschiedliche Längen, Dehnungen und Spannungsverhalten. Wird nur ein einzelner Riemen getauscht, verteilt sich die Last ungleichmäßig.
Das kann zu Rutschen, Wärmeentwicklung, unruhigem Lauf und erneutem Verschleiß führen. Verwenden Sie bei Mehrfachantrieben deshalb immer einen zusammengehörigen Riemensatz beziehungsweise Riemen gleicher Ausführung.
Wie lässt sich ein Riemenriss vorbeugen?
- Keilriemen regelmäßig auf Risse, Abrieb, Ausfransungen und Verhärtung prüfen.
- Riemenspannung nach Herstellervorgaben kontrollieren.
- Nur passende Profile und Längen verwenden.
- Riemenscheiben sauber, trocken und fluchtend halten.
- Öl, Fett, Schmutz und Fremdkörper vom Riementrieb fernhalten.
- Schwergängige oder blockierende Aggregate rechtzeitig prüfen.
- Bei sichtbaren Schäden den Riemen frühzeitig ersetzen.
- Bei mehreren parallel laufenden Riemen immer den kompletten Satz wechseln.
Tipps zur regelmäßigen Kontrolle finden Sie auch in unserer Anleitung zur Lebensdauer und Pflege von Keilriemen.
Fazit
Ein gerissener Keilriemen ist meist ein Hinweis auf eine Störung im gesamten Riementrieb. Häufige Ursachen sind falsche Spannung, Verschleiß, Fehlstellung, Überlastung, beschädigte Riemenscheiben oder ein ungeeignetes Profil.
Prüfen Sie deshalb vor dem Austausch immer Riemenscheiben, Fluchtung, Spannung, angetriebene Bauteile und die passende Riemenausführung. So vermeiden Sie, dass der neue Keilriemen nach kurzer Zeit erneut beschädigt wird.